Ratgeber Akkreditierung
Akkreditierte und nicht akkreditierte ISO Zertifizierung: der Unterschied
Zwei Zertifikate können fast gleich heissen und doch Verschiedenes bedeuten. Hier erfahren Sie, was Akkreditierung ist, wer sie vergibt und wann welche Art von Zertifikat für Sie sinnvoll ist.
01: Definition
Was Akkreditierung bedeutet
Akkreditierung ist die formale Bestätigung, dass eine Stelle fachlich kompetent und unabhängig arbeitet. Bei ISO Zertifizierungen wird nicht Ihr Unternehmen akkreditiert, sondern die Zertifizierungsstelle, die Ihr Managementsystem prüft. Die Grundlage für Managementsystem-Zertifizierer bildet die Norm ISO/IEC 17021-1.
In jedem Land übernimmt eine staatlich anerkannte Akkreditierungsstelle diese Aufgabe. Sie begutachtet die Zertifizierungsstellen regelmässig und kann die Anerkennung entziehen. Die ISO selbst stellt keine Zertifikate aus und akkreditiert niemanden.
02: Stellen
Wer akkreditiert: die Akkreditierungsstellen
Für den deutschsprachigen Raum und Frankreich sind vier Stellen wichtig. Zertifizierungsstellen führen das Zeichen ihrer Akkreditierungsstelle und sind in deren Verzeichnis aufgelistet.
- SAS, Schweiz
- Die Schweizerische Akkreditierungsstelle SAS ist beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO angesiedelt und akkreditiert Zertifizierungsstellen in der Schweiz.
- DAkkS, Deutschland
- Die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS ist die nationale Akkreditierungsstelle Deutschlands.
- Akkreditierung Austria
- Akkreditierung Austria ist die staatliche Akkreditierungsstelle Österreichs.
- COFRAC, Frankreich
- Das Comité français d'accréditation, kurz COFRAC, ist die französische Akkreditierungsstelle.
Die nationalen Stellen sind über multilaterale Abkommen von IAF und EA verbunden. Deshalb wird ein Zertifikat einer akkreditierten Stelle in den teilnehmenden Ländern in der Regel anerkannt. Ob eine Stelle für Ihre Norm und Branche akkreditiert ist, sehen Sie in der Datenbank der zuständigen Akkreditierungsstelle.
03: Akkreditiert
Was ein akkreditiertes Zertifikat bedeutet
Ein akkreditiertes Zertifikat belegt, dass ein Audit nach anerkannten Regeln stattgefunden hat: Stufe 1 und Stufe 2, Stichproben im Betrieb, Feststellung von Abweichungen und deren Behebung. Es gilt drei Jahre. In den Jahren eins und zwei prüft die Stelle mit Überwachungsaudits, ob Sie das System weiter betreiben.
Behörden, Konzerne und Vergabestellen erkennen ein solches Zertifikat meist ohne Rückfragen an, auch grenzüberschreitend. Der Preis dafür ist Aufwand: Sie brauchen dokumentierte Prozesse, ein internes Audit, ein Management-Review und Zeit für die Auditorinnen und Auditoren.
Wichtig ist der Geltungsbereich. Eine Zertifizierungsstelle ist immer nur für bestimmte Normen und Branchen akkreditiert. Nennt das Zertifikat einen Tätigkeitsbereich, der nicht zu Ihrem Geschäft passt, kann ein Kunde es zurückweisen. Schauen Sie deshalb nicht nur auf das Logo, sondern auch auf den Geltungsbereich der Akkreditierung.
04: Nicht akkreditiert
Was ein nicht akkreditiertes Zertifikat bedeutet
Ein nicht akkreditiertes Zertifikat stammt von einer Stelle ohne Akkreditierung. Es ist nicht wertlos, aber seine Aussage ist schmaler. Bei Zertify ist es ein Zertifikat auf Basis eines Self-Assessments: Sie beantworten 30 Ja/Nein-Fragen, und SICE stellt das Zertifikat aus, wenn Sie bestehen.
Es gibt kein Audit, und SICE ist keine akkreditierte Stelle. Andere nicht akkreditierte Anbieter arbeiten anders, manche prüfen zum Beispiel Dokumente aus der Ferne. Fragen Sie bei jedem Angebot, was genau geprüft wird und wer dafür einsteht.
Nicht akkreditiert heisst nicht unseriös. Unseriös ist, den Unterschied zu verschweigen.
05: Vergleich
Vergleichstabelle
Die Tabelle stellt beide Varianten nebeneinander. Die Kosten sind Richtwerte für ein kleines Unternehmen, keine Offerten.
| Merkmal | Akkreditiert | Nicht akkreditiert (Zertify) |
|---|---|---|
| Anerkennung | International, durch Akkreditierungsabkommen | Nachweis gegenüber Kunden, keine formale Anerkennung |
| Ausschreibungen | Wird in der Regel akzeptiert | Nicht geeignet, wenn Akkreditierung verlangt wird |
| Kosten | Erstaudit einige tausend CHF, dazu jährliche Überwachung | Einmalig 599 bis 849 CHF je nach Norm |
| Dauer | Mehrere Monate, je nach Reifegrad | Zertifikat in 4 Stunden nach bestandenem Assessment |
| Aufwand | Dokumentation, internes Audit, Management-Review, Audittage | 30 Fragen, 20 bis 30 Minuten |
| Gültigkeit | 3 Jahre, mit jährlichen Überwachungsaudits | 3 Jahre, Erneuerung per neuem Assessment |
06: Ausschreibungen
Ausschreibungen und Kundenvorgaben: was wirklich verlangt wird
Bei öffentlichen Ausschreibungen steht die Anforderung in den Eignungskriterien. Häufig verlangen Vergabestellen den Nachweis eines Qualitätsmanagementsystems, zum Beispiel ein Zertifikat nach ISO 9001 einer akkreditierten Stelle. Ein Zertifikat auf Basis eines Self-Assessments erfüllt diese Anforderung in aller Regel nicht.
Manche Vergabestellen lassen gleichwertige Nachweise zu, etwa eine Beschreibung der Massnahmen zur Qualitätssicherung. Ob ein Beleg gleichwertig ist, entscheidet die Vergabestelle im Einzelfall, nicht Sie und nicht wir. Klären Sie das schriftlich, bevor Sie ein Angebot abgeben.
Ähnlich läuft es bei Konzernkunden. Dort steht die Anforderung im Lieferantenhandbuch und wird oft bei der Lieferantenfreigabe geprüft. Ein Zertifikat, das nicht akzeptiert wird, kostet Sie dann Zeit statt Vertrauen. Eine kurze Rückfrage beim Einkauf schafft Klarheit.
Faustregel: Steht in den Unterlagen das Wort akkreditiert, brauchen Sie eine akkreditierte Zertifizierung. Steht dort nur ein Nachweis nach ISO 9001, fragen Sie nach, was gemeint ist.
07: Missverständnisse
Vier verbreitete Missverständnisse
Rund um die Akkreditierung halten sich einige Annahmen, die zu teuren Fehlentscheidungen führen.
- Jedes ISO Zertifikat ist akkreditiert
- Nein. Ob ein Zertifikat akkreditiert ist, hängt von der ausstellenden Stelle ab. Die Bezeichnung ISO Zertifikat allein sagt darüber nichts aus.
- Akkreditiert heisst, die ISO hat geprüft
- Nein. Die ISO veröffentlicht nur die Norm. Geprüft wird durch die Zertifizierungsstelle, deren Arbeit die Akkreditierungsstelle beaufsichtigt.
- Ein Logo auf der Website beweist die Akkreditierung
- Nein. Logos lassen sich kopieren. Verlässlich ist der Eintrag im Verzeichnis der Akkreditierungsstelle.
- Nicht akkreditiert heisst unbrauchbar
- Nein. Es heisst nur, dass das Zertifikat nicht die Anerkennung einer Akkreditierung trägt. Für Kundennachweise und die interne Ordnung kann es genügen.
Wer diese vier Punkte kennt, stellt bessere Fragen an jeden Anbieter, auch an uns.
08: Entscheidung
Entscheidungshilfe in fünf Fragen
Beantworten Sie die Fragen der Reihe nach. Bei den ersten beiden Fragen entscheidet oft schon ein einziges Ja.
Verlangt ein Gesetz, ein Vertrag oder eine Ausschreibung eine akkreditierte Zertifizierung?
Dann brauchen Sie sie. Die Entscheidung ist gefallen, und Sie holen Offerten bei akkreditierten Stellen ein.
Schreibt ein Grosskunde sie in seinen Lieferantenregeln vor?
Fragen Sie nach, ob ein gleichwertiger Nachweis akzeptiert wird. Lautet die Antwort nein, ist es der akkreditierte Weg.
Brauchen Sie den Nachweis für Offerten, Fragebögen und Website?
Dann reicht häufig ein Self-Assessment-Zertifikat, solange Sie es offen als solches kennzeichnen.
Haben Sie dokumentierte Prozesse und Zeit für ein Audit?
Dann ist die akkreditierte Zertifizierung gut machbar. Fehlt beides, starten Sie mit dem Self-Assessment und bauen das System Schritt für Schritt auf.
Wie hoch ist Ihr Budget für die ersten drei Jahre?
Liegt es unter dem Richtwert für ein akkreditiertes Erstaudit samt Überwachung, ist dieser Weg kaum realistisch. Dann lohnt der günstigere Nachweis.
09: Fragen
Häufige Fragen zur Akkreditierung
10: Ratgeber
Weitere Ratgeber
Der schnelle Nachweis, ehrlich gekennzeichnet
Starten Sie das kostenlose Assessment. Bezahlt wird erst nach bestandener Auswertung.
Das Zertifikat basiert auf einem Self-Assessment und ist nicht akkreditiert.