Datenschutzmanagement für Banken, Versicherungen und Treuhänder
ISO 27701 für Finanzbranche: Datenschutz nachweisen, ohne Vor-Ort-Audit
Wer Konten, Policen, Lohndaten oder Mandantenakten bearbeitet, muss gegenüber Kunden belegen können, wie er mit Personendaten umgeht. ISO 27701 liefert diesen Beleg als Zertifikat. Bei Zertify beantworten Sie 42 Fragen online und erhalten das Zertifikat in der Regel innert 4 Stunden nach Bestehen und Zahlung.
01: Nachfrage
Warum Kunden und Ausschreibungen ISO 27701 verlangen
Die Einkaufsabteilung einer Bank oder Versicherung schickt ihren Dienstleistern einen Lieferantenfragebogen. Darin steht eine Frage zum Datenschutz: Wie bearbeiten Sie unsere Personendaten, und wie belegen Sie das? Ein Zertifikat nach ISO 27701 beantwortet sie mit einem Dokument, das sich ablegen und prüfen lässt.
Betroffen sind nicht nur die Institute selbst. Treuhänder, Lohnbuchhalter, Vermögensverwalter, Vermittler, Inkassostellen und Softwareanbieter für Finanzinstitute erhalten Kundendaten und handeln dabei oft als Auftragsbearbeiter. Gegenüber dem Auftraggeber müssen sie zeigen, dass sie Weisungen befolgen, Verletzungen melden und Daten wieder löschen. Das Schweizer nDSG und die EU-DSGVO unterscheiden diese Rollen beide.
ISO 27001 behandelt die Informationssicherheit. ISO 27701 behandelt den Umgang mit Personendaten selbst: Zweck, Rollen, Betroffenenrechte, Weitergabe. In Ausschreibungen und Kundenaudits ist das ein Kriterium, das sich mit einem Zertifikat rasch erledigen lässt.
02: Prozesse
Welche Prozesse und Risiken der Finanzbranche die Norm abdeckt
Die Norm verlangt keine branchenspezifischen Prozesse. Sie verlangt, dass Sie die Prozesse, in denen Personendaten anfallen, kennen, bewerten und steuern. In der Finanzbranche sind das einige wiederkehrende Abläufe.
| Prozess | Personendaten | Typisches Risiko | Was die Norm verlangt |
|---|---|---|---|
| Kundenaufnahme | Identitätsdaten, Angaben zur Person und zum Vermögen | Daten werden länger gespeichert als nötig | Zweck und Aufbewahrungsdauer im Verzeichnis festhalten |
| Lohnabrechnung für Mandanten | Löhne, Sozialversicherungsdaten, Kontoverbindungen | Fehlversand an falsche Empfänger | Rolle als Auftragsbearbeiter klären, Datenschutzverletzungen melden |
| Schadenbearbeitung | Gesundheits- und Unfalldaten, Korrespondenz | Zugriff durch Unberechtigte | Risiken bewerten und Massnahmen festlegen |
| Auslagerung an Cloud- oder IT-Anbieter | Kundenstamm, Transaktionsdaten | Unklare Weisungen an den Anbieter | Rollen und Pflichten vertraglich und organisatorisch regeln |
| Auskunftsbegehren | Alle Daten zu einer Person | Frist wird verpasst, Daten sind verstreut | Rechte betroffener Personen fristgerecht erfüllen |
03: Begriffe
Zentrale Begriffe von ISO 27701 im Alltag eines Finanzunternehmens
Die Norm arbeitet mit wenigen Begriffen, die Sie auf Ihren Betrieb übersetzen müssen.
- Verantwortlicher
- Wer über Zweck und Mittel der Bearbeitung entscheidet. Eine Bank ist es für ihre Kontoinhaber, ein Treuhandbüro für seine eigenen Kundenakten.
- Auftragsbearbeiter
- Wer Daten im Auftrag eines anderen bearbeitet. Ein Treuhänder, der Löhne für Mandanten abrechnet, nimmt diese Rolle ein.
- Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten
- Die Liste aller Prozesse mit Personendaten. Ein Eintrag nennt Zweck, Datenkategorien, Empfänger und Aufbewahrungsdauer, etwa für die Policenverwaltung einer Versicherung.
- Rechte der betroffenen Personen
- Ansprüche auf Auskunft, Berichtigung oder Löschung. Ein Versicherter verlangt zum Beispiel eine Kopie seiner Schadenakte.
- Datenschutz durch Technik und Voreinstellungen
- Systeme sind so gebaut, dass nur nötige Daten anfallen. Ein Kundenportal fragt nur Felder ab, die der Vertrag braucht.
- Datenschutzverletzung
- Ein Vorfall, bei dem Personendaten verloren gehen oder an Unberechtigte gelangen, etwa ein Kontoauszug im falschen Briefumschlag.
04: Umsetzung
So erfüllt ein Finanzunternehmen die Kernanforderungen
Die Anforderungen sind in den Kapiteln 4 bis 10 der Norm nach der bekannten Managementsystem-Struktur gegliedert. Praktisch läuft die Umsetzung entlang von sechs Aufgaben.
Rolle pro Prozess bestimmen
Ein Treuhandbüro hält je Mandat fest, ob es als Verantwortlicher oder als Auftragsbearbeiter handelt, und leitet daraus seine Pflichten ab.
Risiken für Betroffene bewerten
Ein Vermögensverwalter prüft, was ein Fehlversand einer Kundenliste für die Betroffenen bedeutet, und führt zum Beispiel den verschlüsselten Versand ein.
Verzeichnis führen
Für jeden Prozess mit Personendaten besteht ein Eintrag, der bei einer Änderung angepasst wird. Der Verantwortliche pro Prozess ist benannt.
Anfragen betroffener Personen regeln
Eine Person ist für Auskunftsbegehren zuständig, die Frist steht im Ticket, und für die Antwort gibt es eine Vorlage.
Datenschutz in neue Systeme einbauen
Vor der Einführung eines Kundenportals prüft das Team, welche Felder wirklich nötig sind, und schaltet die Weitergabe an Dritte standardmässig aus.
Vorfälle erkennen und melden
Mitarbeitende melden einen Fehlversand intern, der Vorfall wird bewertet, und der Entscheid über eine Meldung wird festgehalten.
05: Zertify
ISO 27701 mit Zertify: Ablauf, Kosten und Nachweis
Die Selbstbeurteilung besteht aus 42 Ja/Nein-Fragen. 15 davon sind Muss-Fragen, also Kernfragen der Beurteilung, und müssen alle mit Ja beantwortet werden. Von den übrigen 27 Fragen braucht es mindestens 18 Ja. Wer besteht und bezahlt, erhält das Zertifikat in der Regel innert 4 Stunden.
Das Zertifikat stellt Zertify im Rahmen einer Lizenz des Swiss Institute of Certification and Education (SICE) aus. SICE prüft jede Beurteilung, bevor das Zertifikat ausgestellt wird. Es gibt kein Audit vor Ort. Jedes Zertifikat lässt sich öffentlich über Nummer und QR-Code verifizieren. Den Link zur Prüfseite können Sie direkt in einen Lieferantenfragebogen oder eine Offerte einfügen.
Das Zertifikat kostet CHF 799 im ersten Jahr, danach CHF 529 pro Jahr inklusive der jährlichen Online-Rezertifizierung. Es gilt 3 Jahre und wird jedes Jahr mit einer kurzen Online-Rezertifizierung bestätigt. Die Abrechnung läuft als jährliches Abonnement, das Sie im Kundenkonto jederzeit auf das Ende des laufenden Jahres kündigen können. Danach endet auch das Zertifikat. Für den Kauf brauchen Sie kein Konto.
06: Ausgabe
ISO 27701:2025 ohne ISO 27001: gilt das auch für Finanzunternehmen?
Die Ausgabe 2025 ist eine eigenständige Managementsystemnorm. Ein Treuhänder oder Vermittler ohne ISO 27001 kann sich damit zertifizieren lassen.
Wenn Sie bereits ein Zertifikat nach ISO 27001 halten, ergänzen Sie mit ISO 27701 den Datenschutz. Bei zwei Normen gewährt Zertify 20 Prozent Rabatt, bei drei oder mehr 30 Prozent, auch auf die jährliche Gebühr. Wer die klassische Route mit einem Audit vor Ort durch eine Zertifizierungsstelle erwägt, findet den Vergleich im Leitfaden.
07: FAQ
Häufige Fragen zu ISO 27701 in der Finanzbranche
ISO 27701 ist freiwillig. Ob ein Zertifikat nötig ist, entscheiden Ihre Kunden, Ausschreibungen und Vertragspartner. Viele fragen im Lieferantenfragebogen nach einem Nachweis für den Umgang mit Personendaten.
Ja. ISO 27701:2025 ist eine eigenständige Norm und setzt kein ISMS nach ISO 27001 voraus.
Die Selbstbeurteilung umfasst 42 Fragen und lässt sich online ausfüllen. Nach bestandener Beurteilung und Zahlung erhalten Sie das Zertifikat in der Regel innert 4 Stunden.
Es kostet CHF 799 im ersten Jahr, danach CHF 529 pro Jahr inklusive der jährlichen Online-Rezertifizierung. Für Kunden in der Schweiz und in Liechtenstein sind 8.1 Prozent Mehrwertsteuer enthalten.
Das entscheidet der Empfänger. Das Zertifikat basiert auf einer Online-Selbstbeurteilung ohne Audit vor Ort, wird von Zertify ausgestellt, unter Lizenz von SICE, und lässt sich über Nummer und QR-Code öffentlich verifizieren. Wenn Ihr Kunde eine Zertifizierung mit Audit vor Ort verlangt, hilft der Vergleich der Wege bei der Entscheidung.
08: Leitfaden
Weitere Seiten
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