ISO 45001 Arbeitsschutz
ISO 45001 für Baugewerbe: Arbeitsschutz belegen, ohne Audit auf der Baustelle
Generalunternehmen, Bauherren und Einkaufsabteilungen verlangen in Ausschreibungen und Lieferantenfragebogen teils einen Nachweis für den Arbeitsschutz. ISO 45001 ist der internationale Standard dafür. Bei Zertify beantworten Sie 34 Fragen online und erhalten ein überprüfbares Zertifikat.
01: Nachfrage
Warum fragen Auftraggeber im Baugewerbe nach ISO 45001?
Auf einer Baustelle arbeiten mehrere Firmen gleichzeitig. Fällt bei einem Subunternehmer ein Gerüst aus, ist die ganze Baustelle betroffen. Generalunternehmen wollen deshalb wissen, wie ein Betrieb mit Gefährdungen umgeht, bevor sie ihm einen Auftrag vergeben.
Die Frage taucht an mehreren Stellen auf: im Lieferantenfragebogen der Einkaufsabteilung, in den Eignungskriterien einer Ausschreibung, im Kundenaudit eines Industriekunden, für den Sie Umbauten ausführen. Ein ISO-45001-Zertifikat beantwortet sie mit einem Dokument, das der Auftraggeber selbst prüfen kann. Ob es in Ihrem Markt Pflicht ist, hängt vom einzelnen Auftraggeber ab. Ein Blick in die letzten Ausschreibungsunterlagen zeigt, wie oft die Frage bei Ihnen vorkommt.
02: Risiken
Welche Gefährdungen auf der Baustelle deckt ISO 45001 ab?
Der Standard schreibt keine einzelnen Schutzmassnahmen vor. Er verlangt, dass Sie Ihre eigenen Gefährdungen kennen, beurteilen und im Griff behalten. Für Baubetriebe sind das typischerweise diese Bereiche:
- Arbeiten in der Höhe
- Dach, Fassade, Gerüst, Leiter. Gefährdet sind Mitarbeitende und alle, die darunter durchgehen.
- Maschinen und Fahrzeuge
- Bagger, Kran, Radlader, Baustellenverkehr. Rückwärtsfahren und tote Winkel gehören in jede Beurteilung.
- Gruben und Gräben
- Einsturz von Böschungen, Verschüttung, Absturz in offene Baugruben.
- Staub, Lärm und Vibration
- Schleifen, Fräsen, Abbruch, Bohrhammer. Die Belastung wirkt über Jahre und fällt im Alltag kaum auf.
- Gefahrstoffe
- Kleber, Lösemittel, Zement, Bitumen. Dazu gehören Sicherheitsdatenblätter am Einsatzort.
- Schweres Heben und Tragen
- Säcke, Platten, Elemente. Rücken und Gelenke sind der häufigste Grund für Absenzen im Handwerk.
- Subunternehmer und Temporärpersonal
- Wer neu auf die Baustelle kommt, kennt die lokalen Gefahren nicht und muss eingewiesen werden.
03: Anforderungen
Wie erfüllt ein Baubetrieb die Kernanforderungen?
Die sechs wichtigsten Anforderungen lassen sich mit den Mitteln eines kleinen Bauunternehmens umsetzen. Gefragt ist Ordnung, kein Beraterapparat.
Gefährdungen ermitteln und beurteilen
Der Polier geht vor Baubeginn die Baustelle durch und hält Absturzkanten, Verkehrswege und Lagerflächen in einer Checkliste fest. Die Geschäftsleitung bewertet, welche Gefährdungen am schwersten wiegen (Kapitel 6 des Standards).
Arbeitsschutzpolitik festlegen
Ein kurzes Dokument, das die Geschäftsleitung unterschreibt. Es hält fest, dass Unfälle verhindert werden sollen und welche Ziele der Betrieb sich setzt (Kapitel 5).
Mitarbeitende anhören und beteiligen
Vor jeder Etappe gibt es eine Besprechung auf der Baustelle. Maurer, Zimmerleute und Hilfskräfte melden, wo sie Gefahren sehen. Die Hinweise werden notiert und beantwortet.
Rangfolge der Schutzmassnahmen anwenden
Zuerst wird die Gefahr beseitigt oder ersetzt, dann technisch gesichert, dann organisatorisch geregelt. Persönliche Schutzausrüstung steht am Schluss (Kapitel 8).
Notfallvorsorge planen
Jede Baustelle hat Erste-Hilfe-Material, einen bekannten Sammelplatz und eine Liste mit Notrufnummern und Adresse der Baustelle. Wer was tut, ist vorher geklärt.
Vorfälle untersuchen und Massnahmen ableiten
Auch ein Beinahe-Unfall wird festgehalten: Was ist passiert, warum, was ändert sich? Die Massnahme bekommt einen Verantwortlichen und ein Datum (Kapitel 10).
04: Schutzmassnahmen
Wie sieht die Rangfolge der Schutzmassnahmen im Baualltag aus?
Die Rangfolge ist der Kern von Kapitel 8. Sie zwingt dazu, nicht sofort zum Helm oder zur Weste zu greifen, sondern zuerst zu fragen, ob die Gefahr überhaupt bestehen muss. Zwei Beispiele aus dem Baugewerbe:
| Stufe | Absturz vom Dach | Staub beim Abbruch |
|---|---|---|
| Beseitigen | Arbeit am Boden vorfertigen, Dach nur noch montieren | Rückbau in Teilen statt Stemmen und Schleifen |
| Ersetzen | Aufbau mit Hebebühne statt Leiter | Nassverfahren statt trockenes Schneiden |
| Technisch sichern | Seitenschutz und Gerüst mit Dachfanggerüst | Absaugung direkt am Gerät |
| Organisatorisch regeln | Einweisung, Freigabe pro Arbeitstag, Zutrittsregeln | Kürzere Einsatzzeiten, Abgrenzung des Arbeitsbereichs |
| Persönlich schützen | Anseilschutz als letzte Stufe | Atemschutzmaske passend zur Tätigkeit |
Wer diese Überlegung für seine häufigsten Tätigkeiten dokumentiert, hat für das Assessment und für das nächste Kundenaudit bereits das meiste beisammen.
05: Zertify
Wie kommt ein Baubetrieb mit Zertify zum Zertifikat?
Sie starten die Selbstbeurteilung online, ohne Konto und ohne Termin. Sie beantworten 34 Ja-Nein-Fragen zu ISO 45001. 14 davon sind zwingende Anforderungen des Standards und müssen alle mit Ja beantwortet werden. Von den übrigen 20 Fragen müssen mindestens 14 mit Ja beantwortet sein. Das Assessment können Sie in einer Pause zwischen zwei Baustellen ausfüllen.
Nach bestandenem Assessment und Zahlung erhalten Sie das Zertifikat innerhalb von 4 Stunden. Es wird von der G6 Agency AG im Rahmen einer Lizenz von SICE (Swiss Institute of Certification and Education) ausgestellt. SICE prüft jede Selbstbeurteilung, bevor das Zertifikat ausgestellt wird. Auf dem PDF steht eine Zertifikatsnummer mit QR-Code. Ein Auftraggeber scannt den Code und sieht auf der öffentlichen Prüfseite, ob das Zertifikat gültig ist.
Das Zertifikat gilt 3 Jahre. Jedes Jahr bestätigen Sie es mit einem kurzen Re-Audit online. Der Preis beträgt 699 CHF (699 €) im ersten Jahr, danach 469 CHF (469 €) pro Jahr inklusive Re-Audit. Das Abonnement verlängert sich jährlich automatisch. Sie kündigen jederzeit in Ihrem Kundenkonto zum Ende des laufenden Jahres. Mit der Kündigung endet das Zertifikat mit dem bezahlten Jahr. Für Kunden in der Schweiz und in Liechtenstein sind 8.1 % MWST im Preis enthalten.
Bauunternehmen führen oft schon ein Qualitätsmanagement. Bei zwei Standards gibt es 20 % Rabatt, bei drei oder mehr 30 %, auch auf die jährliche Gebühr.
06: Abgrenzung
Online-Zertifikat oder klassisches Audit auf der Baustelle?
Beim klassischen Weg kommt eine Zertifizierungsstelle in den Betrieb und besucht Baustellen und Büro. Das dauert länger und kostet mehr, denn Auditortage und Reisezeit werden verrechnet. Bei Zertify gibt es keinen Besuch vor Ort. Die Grundlage ist Ihre Selbstbeurteilung, die SICE vor der Ausstellung prüft.
Welcher Weg passt, hängt vom Auftraggeber ab. Schreibt ein Kunde ausdrücklich ein Vor-Ort-Audit durch eine Zertifizierungsstelle vor, müssen Sie den klassischen Weg gehen. Fragt er nach einem überprüfbaren ISO-45001-Zertifikat, genügt in vielen Fällen die Online-Variante. Klären Sie das am besten vor dem Kauf mit dem Einkauf des Kunden.
07: FAQ
Häufige Fragen zu ISO 45001 im Baugewerbe
08: Leitfaden
Weiterführende Seiten
Prüfen Sie, ob Ihr Betrieb ISO 45001 erfüllt
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